Deißlingen Mitgliederzahl geht rasant nach oben

Schwarzwälder-Bote, 22.02.2013 22:00 Uhr

Deißlingen (fus). Die Ärmel wurden hochgekrempelt im Gründungsjahr der Genossenschaft Bürgerenergie Deißlingen, so Vorstandsmitglied Stefan Schuler bei der ersten Mitgliederversammlung in der kleinen Sporthalle in Lauffen.Bereits 230 Mitglieder zählt die Genossenschaft und ist damit eine starke. Im Gründungsjahr hat sie bereits Photovoltaikanlagen auf dem Dach der Volksbanksporthalle und des Bauhofs in Deißlingen in Betrieb genommen. Vorstandsmitglied Ingo Schmeh gab technische Daten der beiden Anlagen bekannt und erläuterte die Montage der Arbeiten.
Als Ausblick nannte Stefan Schuler die Umsetzung neuer Projekte zur Energiegewinnung, aktuell seien aber keine in Aussicht. In Erwägung werden Kleinwindkraftanlagen, Heizwärme oder weitere Photovoltaikanlagen in Betracht gezogen; hierzu sollen die Mitglieder einbezogen werden. So rief Stefan Schuler sie auf, sich in den Arbeitsgruppen einzubringen, die dann die Projekte angehen. Im vergangenen Jahr sei auch ein Heizblockkraftwerk besichtigt worden, was sehr aufschlussreich gewesen sei.
Der Aufsichtsratsvorsitzende, Bürgermeister Ralf Ulbrich, gab einen kurzen Bericht über die Tätigkeit des Aufsichtsrats und des Ergebnisses der Prüfung des Jahresabschlusses. Paul Hengstler erläuterte den Jahresabschluss und betonte den "sensationellen Mitgliederzuwachs" im ersten Jahr. Die genauen Zahlen des Jahresabschlusses seien auf der Homepage der Genossenschaft veröffentlicht und für jeden zugänglich.
Der Feststellung des Jahresabschlusses und der Beschlussfassung für die Verwendung des Jahresgewinns stimmte die Versammlung einstimmig zu. Der erwirtschaftete Gewinn soll in diesem Jahr in der Genossenschaft bleiben, später ist eine Ausschüttung von drei Prozent vorgesehen. Die Entlastung beantragte Peter Küppers; sie erfolgte einstimmig.
Im Vorfeld der Versammlung fand ein Vortrag von Peter Bickel vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung des Landes Baden-Württemberg zum Thema "Die Energiewende – Teure Spinnerei oder Zukunftsstrategie?" statt. Der Referent erläuterte die zahlreichen Möglichkeiten von erneuerbaren Energien. Das Fazit lautete: Der Übergang sei technisch machbar, rechne sich aber nur längerfristig, biete Perspektiven und sei ohne Senkung des Energieverbrauchs nicht machbar.


Deißlingen
Der zweite Streich der Bürgerenergie

Von Schwarzwälder-Bote, aktualisiert am 01.08.2012 um 19:02
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Seit einem Monat ist die Anlage auf diesem Gebäude des Deißlinger Bauhofs nun in Betrieb. Foto: Kammerer Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Kathrin Kammerer

Deißlingen. Die "Bürger Energie Deißlingen eG" (BED) prescht weiter mit gutem Beispiel in Sachen Energiewende voran. Seit einem Monat ist die zweite Anlage der Genossenschaften am Netz, die Mitgliederzahl steigt, neue Projekte sollen bald kommen.
Engagierte Deißlinger Bürger waren es, welche die Bürgerenergie im vergangenen Jahr ins Rollen gebracht haben. Die Genossenschaft wurde von 17 Mitgliedern gegründet. Jeder, ob Jung oder Alt, konnte ab diesem Zeitpunkt für 200 bis 2000 Euro Geschäftsanteile erwerben und so einen Beitrag zur Energiewende vor Ort leisten. Eine Idee, die in Deißlingen und Lauffen einschlug: 90 Mitglieder waren es noch im März, 180 dann im Mai, aktuell sind es bereits 212.
Im März diesen Jahres, nur einen Monat nach dem Startschuss der BED, realisierte die Genossenschaft ihr erstes Projekt. Auf dem Dach der neuen Volksbank-Sporthalle wurde eine Solaranlage mit einer erwarteten Jahresleistung von 180 000 Kilowattstunden montiert. Zur Erklärung: Dies deckt den jährlichen Bedarf von 50 Vier-Personen-Haushalten. Die für das Starterprojekt einkalkulierten Kosten von 425 000 Euro konnten zur Freude alle Mitglieder deutlich unterschritten werden. 25 Prozent der Kosten wurden eigenfinanziert, der Rest über einen Kredit.
Seit Anfang Juli ist nun auch das zweite BED-Projekt, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Deißlinger Bauhofs, in Betrieb. Flächenmäßig kleiner als ihr Vorgänger auf dem Sporthallendach, kostete deren Installation 23 600 Euro.
Nun wird mit einer Jahresleistung von 12 000 Kilowattstunden gerechnet, was umgerechnet dem Stromverbrauch von drei Vier-Personen-Haushalten entspricht. Gleichzeitig wird durch diese Anlage eine Einsparung von rund sieben Tonnen CO2-Emission erreicht.
Fabio Tedesco, der gemeinsam mit Stefan Schuler und Ingo Schmeh den dreiköpfigen BED-Vorstand bildet, verrät: "Jetzt strecken wir die Fühler nach einer weiteren Möglichkeit für eine Photovoltaikanlage aus". Sei diese dann realisiert, will sich die Genossenschaft anderen Formen der regenerativen Energien widmen.
"Da ist – bis auf Wasser wahrscheinlich – dann alles möglich", so Tedesco. Er freut sich, dass die Idee der Bürgerenergie solch großen Anklang und viele tatkräftige Unterstützer findet, mahnt aber an: "Wir dürfen jetzt nicht einschlafen." Unverdrossen wirbt die BED deshalb weiterhin um neue Mitglieder, denn nur mit vielen Unterstützern lassen sich neue Projekte realisieren.

Weitere Informationen: www.buergerenergie-deisslingen.de, Telefon 07420/ 9 29 50 (Paul Hengstler)


NRWZ 20.5.2012
Deißlinger Bürgerenergiegenossenschaft

Viele interessieren sich für Genossenschaft und Photovoltaikanlage


KREIS ROTTWEIL, 14. Mai (pm) - Am Samstag hatte die neue Bürgerenergiegenossenschaft Deißlingen (BED) eingeladen: Die von ihr getragene Photovoltaikanlage auf dem Dach der Volksbank-Sporthalle ist nämlich jetzt am Netz. Anlass für einen gemütlichen Zusammenhock mit Schwatz und einer Menge Infos über Anlage und Genossenschaft.
Neben einem Zelt waren auch Infostände aufgebaut, an denen sich nicht nur Deißlinger Bürger informierten und von den Vorstandsmitgliedern erfuhren, wie reibungslos die Installation der Anlage - bei der die Genossenschaftler selbst mit Hand angelegt hatten - gelaufen war und wie groß das Interesse an der Genossenschaft ist. Die hat nämlich bereits 180 Mitglieder, die fast 180.000 Euro zusammengebracht haben.
Die Anlage wiederum kostet 400.000 Euro und damit 25.000 Euro weniger als geplant, liefert Strom für etwa 50 Vierpersonenhaushalte - rund 187.000 Kilowattstunden und sit seit Anfang März am Netz. Mitglied in der Genossenschaft kann jeder werden, auch Nicht-Deißlinger, für 200 Euro ist man dabei, maximal zehn Anteile kann jeder zeichnen. Fernziel der BED ist es, die Gemeinde klimaneutral und energieautark zu kriegen. Angedacht ist dafür auch ein Windrad - den geeigneten Standort dafür gäbe es. Festgelegt hat man sich da aber noch nicht, man strecke "die Fühler in alle Richtungen aus", so Vorstandsmitglied Fabio Tedesco.

Mehr Infos gibt es unter www.buergerenergie-deisslingen.de


Für Solar-"Teppich" packen viele an

Schwarzwälder Bote Winfried Scheidel , vom 07.03.2012 09:01 Uhr
Auf etwa 2000 Quadratmetern erstrecken sich die »Sonnenstrom«-Module auf dem Dach der »Volksbank« Sporthalle. Foto: Scheidel
Auf etwa 2000 Quadratmetern erstrecken sich die »Sonnenstrom«-Module auf dem Dach der »Volksbank« Sporthalle. Foto: Scheidel
 
Deißlingen - Die neu gegründete "Bürger Energie Deißlingen eG" (BED) will sich vom politischen Hick-hack um die Förderung der Solarenergie nicht beirren lassen. Bestärkt werden die Macher vom Mittun zahlreicher Bürger.9. März oder 1. April. Ob die Solarförderung nun doch bereits übermorgen oder – wie zunächst und jetzt plötzlich wieder ins Gespräch gebracht – drei Wochen später um ein weiteres Stück abgesenkt wird, ficht den BED-Vorstand mit Stefan Schuler, Ingo Schmeh und Fabio Tedesco nicht mehr an, wie letzterer gestern betonte.
Nachdem das neue Datum 9. März für die Absenkung der Förderung um fast 30 Prozent genannt worden sei, habe man schnell Nägel mit Köpfen für das Starterprojekt der BED gemacht, das, wie berichtet, eine Photovoltaikanlage auf der Volksbank-Sporthalle ist.
So kam es am vegangenen Samstag zu einem beeindruckenden Arbeitseinsatz jüngerer BED-Mitglieder zusammen mit Beschäftigten der mit dem Projekt beauftragten Fachfirma aus Deißlingen. 20 Leute waren den ganzen Tag über auf dem Dach der Volksbank-Sporthalle mit der Errichtung der Unterkonstruktion der Solarmodule – übrigens alle aus deutscher Herstellung – beschäftigt. Bereits morgen, Donnerstag, soll die Anlage ans Netz gehen.
425 000 Euro soll sie kosten, die bei einer erwarteten Jahresleistung von 180 000 Kilowattstunden den jährlichen Bedarf von etwa 60 Haushalten decken könnte. Der Deißlinger Wirtschaftsprüfer Paul Hengstler – für die Bürgerenergie ein wichtiger Wegbegleiter – hat in den vergangenen Tagen einen kontinuierlichen Mitgliederzuwachs konstatiert. Mehr als 90 hätten inzwischen Anteile – zwischen 200 und maximal 2000 Euro – gezeichnet. Bürger, Vereine und Firmen seien mit im Boot, sagt er erfreut und mit der Erkenntnis, dass sich der Eigenkapitalzugang je Mitgliedschaft im Durchschnitt bei etwa 1000 Euro bewegt. Manch einer habe auch bereits Anteile für einen Enkel gezeichnet. Dadurch werde von Generation zu Generation über das "Sonnenstrom"-Geschenk hinaus Wichtiges vermittelt. Hengstler ist sich sicher, dass die, die Mitmachen, in einigen Jahren auch mit einer Rendite belohnt werden. Etwa bei vier Prozent könnte diese seiner Meinung nach in drei bis vier Jahren liegen.
Fabio Tedesco und seine Mitstreiter freuen sich, wenn die Sonne bald für ordentliche Mengen Kilowattstunden an Strom vom Sporthallen-Dach sorgt.
Darüber hinaus wolle man Gewehr bei Fuß stehen, sollte sich das große Bürgerinteresse auch in einer weiterhin stark steigenden Mitgliederzahl ausdrücken. Da seien dann nach dem Starterprojekt weitere Vorhaben zur regenerativen Energieerzeugung denkbar, deutet das Vorstandsmitglied an.

Aufbruchstimmung macht sich breit

Von Schwarzwälder-Bote, aktualisiert am 08.02.2012 um 19:03

Von Winfried Scheidel Deißlingen. Klimaneutrale Gemeinde – Bürger-Energie Deißlingen. Zwei Schlagworte stehen im Raum, für die ein breiter Schulterschluss benötigt wird. Das hohe Ziel, einmal Energie-autark wirtschaften zu können, bringt die Menschen auf die Beine. So sieht Aufbruchstimmung aus.Folgerichtig bot am Dienstagabend die dritte Zusammenkunft im Rahmen des vor einigen Jahren von Bürgermeister Ralf Ulbrich ins Leben gerufenen Energieforums in der Lauffener Turn- und Festhalle mit mehr als 200 Besuchern – davon etliche Interessierte aus anderen Städen und Gemeinden – eine bestens besuchte Plattform für weitere Angebote und Fingerzeige zur Energiewende vor Ort.
Klaus Faden vom Energiebüro 21 in Donaueschingen skizzierte auf Grundlage des Entwicklungsplans "Klimaneutrale Kommune" für die Gemeinden Deißlingen und Niedereschach den heutigen, noch deutlich verbesserbaren Ist-Zustand beim Energieverbrauch und der Herkunft der eingesetzten Energien. Bekanntlich nehmen die beiden Gemeinden gemeinsan einem Projekt zum vom Bund geförderten Klimaschutzkonzept teil.
Einem guten Beispiel in Niedereschach folgten jetzt auch Deißlinger Bürger. In der neu gegründeten "Bürger- Energie Deißlingen eG" (BED) können sich alle zusammenfinden, denen die regenerative Energieerzeugung vor Ort am Herzen liegt. Weniger CO2-Ausstöße durch sanftere, verlustarme Energieproduktion mittels Sonne-, Wind und vielleicht auch Wasserkraft sowie Heizkraftwerken sollen einhergehen mit einer deutlich höheren Wertschöpfung, die den Menschen an dem Ort zukommt, wo die Energie auch verbraucht wird.
Stefan Schuler, der zusammen mit Ingo Schmeh und Fabio Tedesco den dreiköpfigen BED-Vorstand bildet, verwies auf die ersten Schritte im vergangenen Jahr. Angesichts der hohen Ausgaben für die in den Haushalten verbrauchte Energie sei man im Kreis einer losen Interessengruppe schnell zur Erkenntnis gekommen, sich für das Ziel einer stärkeren eigenen Energieerzeugung sattelfest organisieren zu müssen. So wurde die BED gegründet. Mit 17 Gründungsmitgliedern, darunter Bernd Angst, den die Vorstände als Gründervater bezeichnen. Auch ein Aufsichtsrat ist installiert. Dazu kommt Wirtschaftsprüfer Paul Hengstler, der auch beim Starterprojekt der BED, einer Photovoltaikanlage auf der Volksbank-Sporthalle, die rechtlichen Dinge regelt.
475 000 Euro soll die Anlage kosten, die bei einer erwarteten Jahresleistung von 180 000 Kilowattstunden den jährlichen Bedarf von etwa sechs Haushalten deckt. Um den ordentlichen Batzen zu finanzieren, wirbt die BED um Mitglieder, die bei der Genossenschaft Anteile zwischen 200 und maximal 2000 Euro zeichnen.
Die beeindruckende Vorstellung der Ziele und Vorhaben durch die BED-Leute sorgte am Dienstagabend jedenfalls dafür, dass die Aufnahmeformulare rasch vergriffen waren. 17 zeichneten sogar spontan und verdoppelten dadurch die Zahl der Mitglieder. Um das Photovoltaikprojekt, das im Juni in Betrieb gehen soll, allein aus Eigenkapitalmitteln zu schultern – wären 250 Mitglieder mit der Maximaleinlage vonnöten. Laut Hengstler erwartet man bei der BED 2011 ein Eigenkapitalaufkommen von 100 000 Euro. Jeder Euro mehr trage aber dazu bei, dass schon früher als in fünf Jahren Renditeerwartungen gehegt werden könnten.
Die vielen Fragen aus dem Publikum zeigten deutlich: Da sitzen viele in den Startlöchern, um einen Obolus einzusetzen für die Schaffung eines fortschrittlichen Energiedorfs. Die Aussicht auf eine in einigen Jahren mögliche Rendite ist dabei kaum der ausschlaggebende Punkt. Der ideelle Wert dessen, was geleistet werden soll, wiegt bei vielen offenbar weit mehr.


NRWZ online 09.02.2012, 10:50:49 Uhr

Deißlinger Energiegenossenschaft stellt sich vor

"Energiewende vor Ort hinkriegen"

Von Moni Marcel


DEISSLINGEN, 9. Februar - Gut besetzt war die Lauffener Halle am Dienstagabend, als sich die neue Deißlinger Energiegenossenschaft vorgestellt hat. Die hat ein klares Ziel: Die Gemeinde soll energieautark werden, und die vor Ort erzeugte Energie soll CO2-neutral sein, also aus regenerativen Quellen kommen.

Gegründet ist die Genossenschaft bereits, der Eintrag beim Genossenschaftsverband steht zwar noch aus, dennoch kann jeder, der zwischen 200 und 2000 Euro investieren will, schon Mitglied werden. Das erste Projekt steht auch schon fest: Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der neuen Volksbanksporthalle für 475.000 Euro, die 180.000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen soll und damit etwa acht Prozent des örtlichen Stromverbrauchs abdeckt.
Der ist hoch, zumindest im Vergleich mit dem Nachbarort Niedereschach, wie Klaus Faden vom Energiebüro 21 aus Donaueschingen aufzeigte. Er hat in den letzten Wochen den Energieverbrauch der Gemeinde genau analysiert und auch geschaut, wieviel bereits vor Ort klimaneutral produziert wird. Auch das ist viel – im deutschlandweiten Vergleich. Der hohe Verbrauch von Strom und Gas und der damit verbundene CO2.Ausstoß in Deißlingen gehen klar auf die Industrie zurück, erläuterte Faden. Die Großverbraucher, wie etwa Knauf Gips in Lauffen, stoßen zusammen mehr als doppelt soviel wie die privaten Haushalte und die kommunalen Gebäude aus. Auf der anderen Seite wird bereits etwa ein Viertel des Stroms und der Wärme regenerativ erzeugt.
Erste Schritte in Sachen Energiewende sind also bereits gemacht, und noch vor Juli 2012 soll die große, von den Bürgern getragene Photovoltaikanlage auf das Sporthallendach kommen – um noch die volle Förderung mitzunehmen. Wie notwendig die Energiewende vor Ort ist, erläuterte Faden ebenfalls eindrucksvoll: Anhand zweier Fotos der Polkappen der Erde, die seit 1979 sehr stark abgeschmolzen sind. Und mit Zahlen: Rund sechs Millionen Euro zahlen die Deißlinger und Lauffener jährlich für Gas, Strom und Erdöl. Geld, das man lieber im Ort behalten will.
Daher die Genossenschaft, deren "Gründervater" Bernd Angst am Dienstag großen Beifall bekam. Er war es nämlich der die Idee anstupfte, Mitstreiter suchte und so die Genossenschaft auf den Weg brachte. Aber auch Paul Hengstler hat viele Stunden investiert, die Satzung auszuarbeiten. Und auch alle anderen Genossenschaftler, die übrigens ehrenamtlich arbeiten und schon einen Grundstock von 19.700 Euro zusammengebracht haben.
Die Genossenschaftsidee stellte Paul Hengstler vor: Hilfe zur Selbsthilfe nach dem Motto "gemeinsam sind wir stark". Keiner kann seine Macht durchsetzen, weil jeder, ob 200 oder 2000 Euro eingebracht, nur eine Stimme hat. Die Organe: Generalversammlung, Aufsichtsrat und Vorstandschaft, "von der ich bis jetzt einen sehr guten Eindruck habe!", so Hengstler. Einer der drei ist Stefan Schuler. Er erklärte, wie er dazu kam. "Ich habs auch gern warm", aber irgendwann sei dann der Gedanke gekommen: "Wie sieht denn meine Heizrechnung in zehn Jahren aus?" Teurer wirds auf jeden Fall, das war klar. Einerseits den Lebensstandard halten und andererseits das auch den Kindern in Zukunft ermöglichen, nachhaltig bleiben? Auf regenerative Energien zu setzen, war ein Gedanke, doch die Realisierung schwierig, das eigene Dach zu klein für Photovoltaik, "ich kann als Privatperson wenig machen", also geht΄s nur gemeinsam.
In einer Genossenschaft, und da kann jetzt jeder mitmachen, auch Vereine oder Betriebe und Nicht-Deißlinger. Eine Rendite erwarten die Genossenschaftler nach vier, fünf Jahren, weitere Ideen sind gefragt, Windenergie angedacht, man ist offen für alles, wie Vorstand Ingo Schmeh betonte, auch für Technik, die man sich heute vielleicht noch garnicht vorstellen kann.
Im Anschluss stellten sich die Genossenschaftsmacher den teils kritischen Fragen aus dem Publikum – und beantworteten sie zur Zufriedenhait, zum Beispiel die, ob man für die Photovoltaikanlage Module aus Deutschland oder billige aus China verwenden werde. Klar, man setzt auf lokale Wertschöpfung – also kommen die Module, wenn auch teurer, aus dem Land.
Wer mehr wissen will, findet die Infos im Internet: www.buegerenergie-deisslingen.de oder kann sich an eines der Vostandsmitglieder wenden.

Deißlingen Die Bürger geben wichtige Impulse

Schwarzwälder-Bote, vom 01.02.2012 19:01 Uhr

Deißlingen. Bereits zum dritten Mal lädt die Gemeinde Deißlingen am 7. Februar (19 Uhr, Sport- und Festhalle Lauffen) zum offenen Vortrags- und Diskussionsforum rund um das Zukunftsthema Energie ein.Das diesjährige Energieforum knüpft dabei unmittelbar an die beiden Vorgängerveranstaltungen an. Wurde bei der Premiere die energieautarke Region Güssing im österreichischen Burgenland vorgestellt, lag der zweite Schwerpunkt auf dem Thema Photovoltaik und Bürgerbeteiligungsmodelle. Das dritte Energieforum soll beide Ansätze weiterführen.

Zum einen wird ein Zwischenstand des im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Gemeinde Niedereschach begonnenen Klimaschutzkonzepts vorgestellt. Das noch in diesem Jahr fertiggestellte Konzept soll Wege zu einer klimaneutralen Gemeinde, die von Energiekonzernen unabhängig ist, aufzeigen. Sämtliche Energieverbräuche in der Gesamtgemeinde Deißlingen wurden erfasst, gleich ob sie im privaten, gewerblichen oder kommunalen Bereich anfallen.
Klaus Faden, Inhaber des Ingenieurbüros "Energiebüro 21" in Donaueschingen wird diese Datengrundlage vorstellen, die wertvolle Hinweise gibt, wie Deißlingen im Vergleich mit anderen Gemeinden mit Energie umgeht. Der zweite Teil des Abends bestreitet die vor wenigen Wochen gegründete "Bürgerenergiegenossenschaft Deißlingen e.G." (BED). Die BED, die von 17 Deißlinger Bürgern gegründet wurde, möchte in den kommenden Jahren dazu beitragen, dass die Vision einer energieunabhängigen Gemeinde Wirklichkeit wird. Die BED möchte Energieerzeugungsanlagen wie Photovoltaikanlagen errichten und betreiben. Das Genossenschaftsmodell will dabei allen Deißlinger Privatpersonen und Betrieben neben der Möglichkeit einer finanziellen Beteiligung auch die Mitsprache über den Geschäftsbetrieb der Genossenschaft bieten. Die Vorstände der BED, Ingo Schmeh, Stefan Schuler und Fabio Tedesco werden das erste geplante Projekt der BED sowie die weiteren Ziele vorstellen. Alle Interessierten sind eingeladen, sich am kommenden Dienstag ab19 Uhr in der Sport- und Festhalle Lauffen über die beiden spannenden Entwicklungen in Deißlingen zu informieren und im Anschluss mit den Referenten ins Gespräch zu kommen.