Maik Herzog gehört ab sofort dem Aufsichtsrat an. Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Siegfried Reinhardt

Nach einem weiteren, erfolgreichen Geschäftsjahr der Bürger-Energie Deißlingen können die Mitglieder der Genossenschaft erneut eine Dividende von drei Prozent einstreichen. Das gezeichnete Geschäftsguthaben der 255 Mitglieder beläuft sich auf 294 800 Euro.

Deißlingen. Im vergangenen Jahr konnte keine neue Photovoltaikanlage in Betrieb genommen werden. Deshalb hat die Bürger-Energie Schulden getilgt. Die Eigenkapitalquote liegt bei 76 Prozent oder 311 000 Euro. Der Schuldenstand beläuft sich derzeit auf 82 000 Euro. Wirtschaftsprüfer Paul Hengstler meinte scherzend, dass man nun doch bald wieder ein neues Projekt in Angriff nehmen müsse. "Wir bekommen sonst ein echtes Schuldentilgungsproblem."

Einspeisevergütung verbessert sich

Die Einspeisevergütung habe sich um 6500 Euro verbessert. Dass man so gut dastehe, habe seinen Grund in der sehr schlanken Verwaltung. Alle sind ehrenamtlich dabei – vom Vorstand über Aufsichtsrat und Finanzverwalter.

Fürs vergangene Jahr verzeichnete die Genossenschaft einen Gewinn von 24 000 Euro. Steuern in Höhe von 6800 Euro gehen davon noch ab. Hinzu kommt der Gewinnvortrag von 4130 Euro. Somit stehen 21 330 Euro zur Verteilung an. Davon gehen, so der Aufsichtsratsvorsitzende, Bürgermeister Ralf Ulbrich, 400 Euro in die gesetzlichen Rücklagen, und 13 000 Euro werden als Gewinnvortrag verbucht. Somit verbleibt ein Rest von 7930 Euro, der ausgeschüttet wird. Dies entspricht einer Dividende von drei Prozent. Die Mitglieder stimmten zu.

Die drei Vorstände, Stefan Schuler, Fabio Tedesco und Ingo Schmeh, berichteten den Mitgliedern in der Hauptversammlung über die Geschäftstätigkeiten im vergangenen Jahr. Stefan Schuler wies nochmals darauf hin, dass man bei der Bürger-Energie ein Strommessgerät ausleihen könne, um im eigenen Haus die Stromfresser aufzuspüren.

Fabio Tedesco teilte mit, dass man für das laufende Jahr drei Projektierungen im Auge hat. Zum einen sei dies der Fritz-Kiehn-Kindergarten, die Aubert-Sporthalle und die Firma BRS (Biovergärungsanlage). Zudem soll es wieder einen Energiestammtisch geben. Bei der Gewerbeschau in Deißlingen und Lauffen wird auch die Energie-Genossenschaft vertreten sein.

Alle vier Photovoltaikanlagen sind im grünen Bereich, sagte Ingo Schmeh. Die Anlagen haben über 200 000 Kilowatt Stunden produziert.

Turnusgemäß standen wieder Wahlen des Aufsichtsrats an. Weil Florian Moosmann aus beruflichen Gründen nicht mehr kandidierte, musste Ersatz gefunden werden: Maik Herzog. Er wurde wie Tobias Baier einstimmig für die nächsten drei Jahre in den Aufsichtsrat der noch jungen Genossenschaft gewählt.

25 000 Tonnen Biomüll jährlich verarbeitet

Nach dem offiziellen Teil gab es noch einen interessanten und informativen Vortrag. Eberhard Ludwig, Geschäftsführer bei der "BRS Bio Energie GmbH Deißlingen", gab den Mitgliedern der Genossenschaft Einblick in die Arbeit der Anlage. Sein Thema lautete: "Erneuerbare Energien aus Bioabfällen." Dabei wird der Inhalte aller Biotonnen aus den drei Landkreisen Rottweil, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar verarbeitet. Dies sind jährlich etwa 25 000 Tonnen. Die Kapazität der Anlage soll erweitert werden auf 45 000 Tonnen jährlich.

Geschäftsführer Eberhard Ludwig betonte, dass dem Betrieb die verkehrsmäßig äußerst günstige Lage an der Nahtstelle der drei Landkreise zugute komme. Die Verkehrsbelastung könne somit relativ gering gehalten werden. Die Anlage erfülle auch alle gesetzlichen Auflagen hinsichtlich Emissionen. Die anfangs befürchtete Geruchsbelästigung werde durch Abluftbehandlung mit Filtern gering gehalten.

Leider gebe es aber immer noch Probleme mit der Mülltrennung. Hier, so Ludwig, sollten die Landkreise mehr Aufklärung betreiben. Die Entsorgung durch Bioabfallvergärung sieht der Geschäftsführer durch die Auflagen des neuen Erneuerbare-Energien-Gesetzes gefährdet.


 

Drei Prozent Dividende

Bürgerenergiegenossenschaft Deißlingen in „ruhigem, sicheren Fahrwasser“

Marcel
Vorstand und Aufsichtsrat der BED von links: Stefan Schuler, Fabio Tedesco, Ingo Schmeh, Ralf Ulbrich, Tobias Bayer, Jürgen Traber, Dietmar Maurer und Thomas Zöphel. Foto: mm

DEISSLINGEN (mm) - Der Bürgerenergiegenossenschaft Deißlingen (BED) schwimmt in „ruhigem, sicheren Fahrwasser“, wie Vorsitzender Stefan Schuler am Donnerstagabend in der Lauffener Halle betonte. Manch Projekt wurde im vergangenen Jahr realisiert, andere angestoßen – und für die Mitglieder gibt‚s drei Prozent Dividende.

So hat die BED auf dem Schlachthaus, dem Bauhof und der Aubertschule neue Photovoltaikanlagen installiert, von letzterer 90 Prozent an die Gemeinde verkauft. Ganz im Sinne der Genossenschaft war das, denn man will ja nicht nur Ökostrom produzieren, sondern den auch möglichst vor Ort nutzen. Die größte BED-Anlage auf der Volksbanksporthalle hat mehr Strom geliefert als erwartet: 188.000 Kilowatt, das gab einen Erlös von 41.000 Euro.

Insgesamt hat der Sonnenstrom 120.000 Euro eingebracht. Eine angedachte Anlage auf der Kläranlage wurde hingegen nicht realisiert, dort wäre ein Trafo nötig geworden und hätte die Sache unwirtschaftlich gemacht. Hingegen haben die Genossenschaftler bei den Stadtwerken Villingen-Schwenningen eine Wasserkraftanlage an den Keckquellen ins Spiel gebracht, die nun wohl auch realisiert wird. Außerdem ist eine neue Photovoltaikanlage auf dem Dach der Firma BRS im Industriegebiet Mittelhardt angedacht.

Paul Hengstler, bei der BED für die Finanzen zuständig, berichtete von 465.000 Euro Investitionen, davon 63,3 Prozent Eigenkapital, „eine gesunde Relation“, wobei angesichts der hohen Erlöse neue Projekte fehlten. Dennoch ein „stolzes Ergebnis“, wie Hengstler konstatierte. 236 Mitglieder hat die Genossenschaft aktuell, und Vorstand sowie Aufsichtsrat bleiben auch im vierten Jahr die gleichen: Stefan Schuler, Fabio Tedesco und Ingo Schmeh geben weiter ersteren, Thomas Zöphel, Jürgen Traber, Dietmar Maurer, Tobias Bayer, Florian Moosmann und Ralf Ulbrich den Aufsichtsrat.

Hier wurde etwas kompliziert gewählt, weil man vermeiden will, dass alle Mitglieder weiter auf einen Schlag neu gewählt werden müssen, weshalb nun gestaffelt jedes Jahr zwei davon zur Wahl stehen. Auch für die Dividende in Höhe von drei Prozent sprachen sich die Anwesenden einstimmig aus. Im Anschluss an die Formalitäten erzählten Armin Rist und Matthias Ratz von der „Schwestergenossenschaft“ in Niedereschach von ihrer Arbeit: Sie betreiben dort eine Hackschnitzelanlage, die den Ort fast zur Hälfte mit Nahwärme versorgt.

Über diesen aufwändigen, rein ehrenamtlichen Einsatz staunten die Deißlinger, denn die Niedereschacher müssen auch nachts raus, wenn die Anlage mal spinnt oder einer der Kunden friert. 15 Kilometer Leitungen überwachen die Genossen im Nachbarort, haben 6.5 Millionen Euro investiert, nutzen die Abwärme einer Biogasanlage und Hackschnitzel aus der Region und haben trotz des großen Aufwands noch Ideen für weitere Projekt, unter anderem ist es ihr Ziel, das Niedereschacher Stromnetz wieder in kommunale Hand zu bekommen.

Deißlingen Bürger-Energie in gutem Fahrwasser

Schwarzwälder-Bote, 17.04.2015 19:50 Uhr

Deißlingen-Lauffen (fus). In einem guten Fahrwasser befinde sich die Bürger-Energie-Genossenschaft Deißlingen, so Vorstandsmitglied Stefan Schuler in der Generalversammlung. Drei Prozent an Dividende sollen ausbezahlt werden, so der einstimmige Beschluss der Mitglieder.

Aufsichtsratvorsitzender und Bürgermeister Ralf Ulbrich begrüßte die Mitglieder in der Generalversammlung in der kleinen Turnhalle der Sport- und Festhalle. Vorstandsmitglied Fabio Tadesco informierte über die mittlerweile vier Photovoltaikanlagen der Bürger-Energie auf den Dächern von Volksbanksporthalle, Schlachthaus, Aubert-Schule und Bauhof. Er verwies auch auf die regelmäßigen Energiestammtische, die eine Plattform für einen regen Informationsaustausch für die von vielen Bürgern unterstützte Zielsetzung, mit einer effektvollen dezentralen Energieerzeugung vor Ort nachhaltig und ressourcensparend zu wirtschaften, bieten.

Paul Hengstler erläuterte Geschäftsbericht und Jahresabschluss, auf den man stolz sein dürfe. So könnten wieder drei Prozent Dividende an die Mitglieder ausbezahlt werden.

Derzeit hat die Bürger-Energie Deißlingen 236 Mitglieder mit 1222 Geschäftsanteilen. Aufsichtsratsvorsitzender Ulbrich verlas die Zusammenfassung des Berichts der Genossenschaftsprüfung, der positiv ausfiel. Auf Anregung der Prüfer wurde eine Satzungsänderung bezüglich der Beteiligungen vorgeschlagen.

Der Feststellung des Jahresabschlusses sowie der Beschlussfassung zur Verwendung des Jahresergebnisses stimmten die Mitglieder einstimmig zu. Die Entlastung des Vorstands, vorgeschlagen durch Alwin Rist, Vorsitzender der Bürger-Energie Niedereschach, war angesichts der guten Berichte reine Formsache. Der Satzungsänderung bezüglich der Beteiligung durch die Bürger-Energie und zur Änderung des Wahlmodus für den Aufsichtsrat wurde einstimmig zugestimmt. Nun wird jedes Jahr ein Drittel des Aufsichtsrates gewählt, so dass eine gewisse personelle Kontinuität gesichert ist. Bei den Wahlen wurden Florian Moosmann, Tobias Bayer, Thomas Zöphel, Dietmar Maurer, Jürgen Traber und Bürgermeister Ralf Ulbrich einstimmig in ihren Ämtern bestätigt.

In einem informativen Vortrag erläuterten Alwin Rist und Mathias Ratz von der Bürger-Energie-Genossenschaft Niedereschach die Entstehung der dortigen Genossenschaft und die Versorgung mit Nahwärme durch die Bürger-Energie Niedereschach.


 
Deißlingen Die Bürger wollen Windkraft
Schwarzwälder-Bote, 04.04.2014 23:50 Uhr
 

Von Bodo Schnekenburger

Deißlingen. Mit der Reform am Erneuerbare-Energien-Gesetz könnte bald die Luft raus sein aus der Windkraft. Zumindest für kleine, kommunale oder Bürgergenossenschaftsprojekte, wie sie in Deißlingen gerne realisiert würden. Deshalb gab es jetzt eine Briefaktion.

Adressaten sind Wahlkreis- und Betreuungsabgeordnete verschiedener Parteien, Briefe gingen auch an den Bundeswirtschaftsminister. Absender waren Gruppen und Initiativen wie der Bund für Umwelt- und Naturschutz oder die Genossenschaft Bürger-Energie Deißlingen (BED), aber auch die Gemeinde – und dazu eine ganze Reihe Privatpersonen.

Und darum geht es: "Die Reduktion der Einspeisevergütung, die Deckelung und Umlagepflicht des eigenen Stroms sind Nachteile für uns", fasst Bürgermeister Ralf Ulbrich in einem Pressegespräch zusammen. Auch wenn die beim Energiegipfel in Berlin gefundene Kompromissformel für die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zum Tragen kommt, fürchtet die Gemeinde um die Realisierbarkeit einer Windkraftanlage.

Die aber werde, so ist spätestens nach der Bürgerversammlung im Mai 2012 klar, gewünscht. Zusammen mit Trossingen arbeitet man seit über zwei Jahren an einem Konzept, denn der einzig darstellbare Standort ist eine Fläche, die über die Markungsgrenze reicht. Den Beteiligten ist klar, dass der Standort über dem Wannengrund kein Spitzenstandort sein kann. Doch immerhin sind Windgeschwindigkeiten von um die sechs Kilometer pro Stunde in Nabenhöhe zu erwarten. Zugrund gelegt wird eine Anlage mit einer Nabenhöhe von 140 Metern. Bei zu erwartenden 2500 Vollast-Stunden pro Jahr, so rechnet Bernd Angst, einer der Initatoren, vor, könnte so eine Anlage bereits wesentlich mehr Energie erzeugen als die gesamte Fotovoltaik-Bestückung von Deißlingen zusammen, eingerechnet auch die Großanlage auf dem Schuler-Neubau. Damit wäre die Windkraftanlage mit einer Abdeckung von etwa zehn Prozent des aktuellen Strombedarfs ein wichtiger Baustein im Energiemix der Zukunft in Deißlingen. Die soll bis 2050 klimaneutral und energieautark sein.

Das gerät jetzt in Gefahr. Unter Zugrundelegung der bisherigen Rahmenbedingungen hatte man eine Rendite von bis zu sechs Prozent errechnet. Dabei hat Ulbrich im Brief namens der Gemeinde klargestellt, dass dies nicht ausschlaggebendes Argument ist. Es ist vielmehr die eher seltene Akzeptanz, beziehungsweise gerade der Auftrag der Gemeinde, in die Windenergienutzung vor Ort einzusteigen, und die Notwendigkeit, die Bürger bei der Energiewende "mitzunehmen": "Wir tun dies nicht, weil wir einen besonders windhöffigen Standort vorweisen könnten, den wir Investoren teuer verkaufen können, nein, wir tun dies aus der Überzeugung heraus, dass die Energiewende nur dann gelingen kann, wenn sie vor Ort gestaltet und umgesetzt wird", hat er Siegmar Gabriel mitgeteilt.

Dietmar Gabriel von der BED hat in seinem Schreiben auch auf die große Akzeptanz der Erschließung regenerativer Energien hingewiesen und als ein Indiz die Nachfrage nach Genossenschaftsanteilen innerhalb kurzer Zeit angeführt. "Die Bürger sind bereit, einzusteigen. Jetzt werden sie ausgebremst von der großen Politik", sagt er. Und er befürchtet, dass angesichts solcher Signale auch die Bereitschaft verloren geht, sich zu engagieren.

Besonders ärgert die Briefschreiber, dass die Reform des EEG mit einem "atmenden Deckel" für die Förderung von Neukapazitäten Planungssicherheit ausschließt, und dass teure Offshore-Windparks, die von den führenden Stromriesen vor allem aus Profitgründen installiert und betrieben werden, von der Kürzung nicht betroffen sind. Die Reform macht den kleinen, kommunalen Projekten, die dezentral Energie für den eigenen Bedarf erzeugen – und nebenbei damit, wenn der Mix steht, auch Investition in große Leitungskapazität, Stichwort "Stromtrassen", nicht brauchen – einen Strich durch die Rechnung.

Egal was passiert: Die Gemeinde werde wohl planungsrechtlich alle Voraussetzungen zur Realisierung einer Windkraftanlage schaffen, schätzt Ulbrich. Sollte sich der Wind in Berlin wieder drehen und nach dem "EEG 2.0" mit einem "EEG 2.1" auch die Kleinen, deren Anlage nicht die Referenzertragswerte von 75 bis 80 Prozent erreichen wieder ins Boot holen, könnten die Deißlinger sofort loslegen. Der nächste Schritt wäre das Windgutachten. Das kostet aber so viel, dass ohne einigermaßen sichere Rahmenbedingungen diese Investition nicht riskiert werden kann.


NRWZ

Brief an Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel

Deißlingen will Windrad gemeinsam mit Trossingen

DEISSLINGEN, 4. April (mm) - Zahlreiche Briefe sind in den letzten Wochen aus Deißlingen Richtung Berlin und Stuttgart gegangen. Vor allem an Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel, denn durch die geplante Reform des Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG), bei der die Förderung der Windkraft zusammengekürzt werden soll, ist das geplante Windrad in Deißlingen massiv gefährdet.

Und das ärgert nicht nur Bürgermeister Ralf Ulbrich, sondern auch zahlreiche Bürger, denn das Windrad war Konsens im ganzen Ort, das wurde nicht nur bei der Bürgerversammlung deutlich. "Wir haben seit zwei Jahren geplant und Geld investiert, und nun werden auf der Zielgeraden die Hürden immer höher!" schimpft Ulbrich.

Zwar hat die Regierung nun einen Kompromiss mit den Ländern gefunden, dennoch scheint man in Berlin für die aus Bürgerhand vor Ort produzierte Energie nicht viel übrig zu haben. "Offenbar hat hier der Lobbyismus funktioniert", so der Schultes. Denn wo bei kleinen Projekten wie in Deißlingen die geplanten Kürzungen bleiben sollen, könnten die großen, von den vier großen Energieunternehmen betriebenen Off-Shore-Windparks weiterhin mit Zuschüssen rechnen.

Dabei könnte man mit vor Ort betriebenen Anlagen die Energiewende besser erreichen als mit den großen Windparks, deren Strom erst mittels noch gar nicht gebauter Trassen zum Verbraucher gebracht werden muss, ist man sich in Deißlingen sicher. "Wir könnten mit dem Windrad mehr Energie erzeugen als mit allen Photovoltaikanlagen hier zusammen", betont Gemeinderat Bernd Angst, einer der Briefeschreiber, "mit drei Windrädern wären wir völlig autonom in der Stromversorgung!" Eine tolle Sache wäre das, findet auch BED- und BUND-Mitglied Dietmar Maurer, im Blick die Entwicklung in der Ukraine, die derzeit von Russland in Sachen Gaspreis massiv unter Druck gesetzt wird.

"Offenbar hat man in Berlin das Ziel der Energiewende aus den Augen verloren", so Bürgermeister Ulbrich. Die Bürgergenossenschaft Deißlingen (BED) mit inzwischen schon 250 Mitgliedern sei bereit, in das Windrad zu investieren, weiß BED-Vorstand Stefan Schuler. Doch nun werde man von der Regierung ausgebremst, die Bereitschaft ginge verloren. Langfristig würde doch die dezentrale Energieversorgung vor Ort viel Geld sparen, so Renate Tappe, die unter anderem an Volker Kauder geschrieben hat und zur Antwort bekommen hat, die Reform würde nicht geändert.

Von Minister Gabriel bekamen die Deißlinger bislang keine Antwort, aber immerhin will der Grüne Abgeordnete Chris Kühn mal in Deißlingen vorbeischauen. Wo man die Sache Windrad nun gemeinsam mit den Stadtwerken Trossingen zumindest soweit vorantreiben will, dass eines Tages die Pläne nur aus der Schublade geholt werden müssen, "wenn sich der Wind wieder dreht!" so Schultes Ulbrich pragmatisch. Und Bernd Angst, der hat noch Visionen: Eine lokale Lösung, ein Paket verschiedener erneuerbarer Energien samt Biogasspeicher – immerhin wird in Deißlingen der Biomüll aus drei Landkreisen zu Gas und Strom verarbeitet. Und damit die Unabhängigkeit von überregionalen Energieerzeugern, "deren Interessen noch viel zu sehr im Vordergrund stehen!"

04.04.2014, 13:24:31 Uhr

 

 


schwarzwaelder-bote.de

Deißlingen
Dritte Anlage trägt das Schlachthäusle

Schwarzwälder-Bote, 28.03.2014 18:21 Uhr
Von Siegfried Reinhardt Deißlingen. Zurzeit hat die Genossenschaft "Bürger Energie Deißlingen" 255 Mitglieder. Jüngstes Projekt der rührigen Genossenschaft um die Vorstände Fabio Tedesco, Stefan Schuler und Ingo Schmeh ist eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach des Schlachthäusles. In Betrieb gegangen ist die Anlage Anfang dieser Woche. Die Gemeinde hatte das Dach zur Verfügung gestellt. Nach der Volksbank-Sporthalle und dem Werkstattgebäude des Bauhofes vor zwei Jahren ist dies nun schon das dritte Objekt, das in Betrieb geht. Der produzierte Strom wird, so Fabio Tedesco, im Schlachthaus selbst verbraucht. Gibt es überschüssigen Strom, wird dieser ins Stromnetz eingespeist. Somit lohnt sich die Investition schon jetzt, da man mit Eigenverbrauch arbeitet. Die Anlage hat 13,2 kw/p Leistung. Watt Peak (für englisch "peak", also "Spitze") ist eine im Bereich der Fotovoltaik gebräuchliche, nicht normgerechte Bezeichnung für die elektrische Leistung von Solarzellen, die in Watt gemessen wird. Gebräuchlich sind auch vielfache Messeinheiten wie Megawatt peak. Als Abkürzungen werden Wp, kWp oder MWp verwendet. Mit der Anlage werden jährlich etwa 12 500 Kilowatt pro Stunde produziert. Dies reicht für drei normale Haushalte. Die Gesamtinvestition betrug 23 500 Euro.
Die Deißlinger Energiegenossenschaft hat sich zum Ziel gesetzt, die Energiewende in Deißlingen und Lauffen herbeizuführen.
Strom für die Gemeinde ohne eigene Investition
Das Leitmotiv der Genossenschaft ist es, unter dem Schlagwort "Kurze Transportwege und sauberer Strom" erneuerbare Energien mit dezentraler Energieversorgung zu liefern. Es soll so Unabhängigkeit von den großen Energiekonzernen erreicht werden.
Mit der Fotovoltaikanlage habe man zwei Vorteile, erläutert Tedesco. Zum einen könne man auf die Dauer der garantierten Einspeisevergütung den Strompreis im Schlachthaus "einfrieren", zum anderen habe die Gemeinde ohne eigene Investition regionalen Strom zur Verfügung.
Man sei bei der Bürgerenergie Deißlingen nicht auf Gewinnmaximierung um jeden Preis ausgerichtet. "Wir wollen regionalen Strom mit Komponenten, deren Wertschöpfung den Kontinent nicht verlässt. Die eingesetzten Module kommen nicht aus China, sondern von europäischen Herstellern", so der Vorstand. Man arbeite ehrenamtlich und mit Deißlinger und Lauffener Firmen zusammen. Deshalb lohne sich die Anlage nicht nur finanziell. Insofern, so Tedesco, beträfen die Kürzungen für die Einspeisung die Deißlinger Bürgerenergie nicht. Heute rechne sich eine Fotovoltaikanlage schon mit dem eingesparten Strom.
Man sei weiterhin auf der Suche nach geeigneten Dachflächen. Dazu arbeite man an weiteren Projekten, die in naher Zukunft umgesetzt werden sollen.

Weitere Informationen: www.buergerenergie-deisslingen.de.