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Brief an Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel

DEISSLINGEN, 4. April (mm) – Zahlreiche Briefe sind in den letzten Wochen aus Deißlingen Richtung Berlin und Stuttgart gegangen. Vor allem an Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel, denn durch die geplante Reform des Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG), bei der die Förderung der Windkraft zusammengekürzt werden soll, ist das geplante Windrad in Deißlingen massiv gefährdet.

Und das ärgert nicht nur Bürgermeister Ralf Ulbrich, sondern auch zahlreiche Bürger, denn das Windrad war Konsens im ganzen Ort, das wurde nicht nur bei der Bürgerversammlung deutlich. „Wir haben seit zwei Jahren geplant und Geld investiert, und nun werden auf der Zielgeraden die Hürden immer höher!“ schimpft Ulbrich.

Zwar hat die Regierung nun einen Kompromiss mit den Ländern gefunden, dennoch scheint man in Berlin für die aus Bürgerhand vor Ort produzierte Energie nicht viel übrig zu haben. „Offenbar hat hier der Lobbyismus funktioniert“, so der Schultes. Denn wo bei kleinen Projekten wie in Deißlingen die geplanten Kürzungen bleiben sollen, könnten die großen, von den vier großen Energieunternehmen betriebenen Off-Shore-Windparks weiterhin mit Zuschüssen rechnen.

Dabei könnte man mit vor Ort betriebenen Anlagen die Energiewende besser erreichen als mit den großen Windparks, deren Strom erst mittels noch gar nicht gebauter Trassen zum Verbraucher gebracht werden muss, ist man sich in Deißlingen sicher. „Wir könnten mit dem Windrad mehr Energie erzeugen als mit allen Photovoltaikanlagen hier zusammen“, betont Gemeinderat Bernd Angst, einer der Briefeschreiber, „mit drei Windrädern wären wir völlig autonom in der Stromversorgung!“ Eine tolle Sache wäre das, findet auch BED- und BUND-Mitglied Dietmar Maurer, im Blick die Entwicklung in der Ukraine, die derzeit von Russland in Sachen Gaspreis massiv unter Druck gesetzt wird.

„Offenbar hat man in Berlin das Ziel der Energiewende aus den Augen verloren“, so Bürgermeister Ulbrich. Die Bürgergenossenschaft Deißlingen (BED) mit inzwischen schon 250 Mitgliedern sei bereit, in das Windrad zu investieren, weiß BED-Vorstand Stefan Schuler. Doch nun werde man von der Regierung ausgebremst, die Bereitschaft ginge verloren. Langfristig würde doch die dezentrale Energieversorgung vor Ort viel Geld sparen, so Renate Tappe, die unter anderem an Volker Kauder geschrieben hat und zur Antwort bekommen hat, die Reform würde nicht geändert.

Von Minister Gabriel bekamen die Deißlinger bislang keine Antwort, aber immerhin will der Grüne Abgeordnete Chris Kühn mal in Deißlingen vorbeischauen. Wo man die Sache Windrad nun gemeinsam mit den Stadtwerken Trossingen zumindest soweit vorantreiben will, dass eines Tages die Pläne nur aus der Schublade geholt werden müssen, „wenn sich der Wind wieder dreht!“ so Schultes Ulbrich pragmatisch. Und Bernd Angst, der hat noch Visionen: Eine lokale Lösung, ein Paket verschiedener erneuerbarer Energien samt Biogasspeicher – immerhin wird in Deißlingen der Biomüll aus drei Landkreisen zu Gas und Strom verarbeitet. Und damit die Unabhängigkeit von überregionalen Energieerzeugern, „deren Interessen noch viel zu sehr im Vordergrund stehen!“

04.04.2014, 13:24:31 Uhr